Dankeschön oder “ALLES WIRD GUT!”

21. Januar 2011

Posteingang 20.01.2011:

“Vor über einem Jahr da ist es geschehn, die Frau war weg
und plötzlich war der Schuldenberg nicht mehr zu übersehn.
Mit viel Arbeit versuchte ich das zu überstehn doch zum
scheitern verurteilt und einsehen zu müssen so kann das
nicht gehn, den das rettende Ufer war überhaupt nicht zu
sehn.

Eine Anzeige hab ich dann gesehen in so einem Fall kann
man zur Schuldnerberatung gehen. All meinen Mut packte
ich ein und dann ab zu den 5zwergen nach Löwenstein.

Das erste Gespräch war gar nicht so schlimm und so ging
ich auch zum nächsten Termin ohne Angst schon hin.
Nun lernte ich die Frau Nitsche kennen mit netten Worten
und viel Kompetenz führte und begleitete Sie mich auf dem
Weg bis zur Eröffnung der Insolvenz.

Ich versuchte alles zu verstehn doch manchmal konnte ich
kein Land mehr sehn.

Ich überstand auch viel Papierkram, Ärger und Wut weil ich
oft hörte die Worte von Ihr: “Alles wird gut”. Am Ziel des
Weges angekommen hab ich mir dieses vorgenommen:

Ich möchte Danke sagen für die Hilfe die ich erhielt von
Ihnen, den durch diese wurden mir wieder Türen geöffnet
die für mich schon für immer verschlossen schienen.
Viel Gesundheit wünsche ich auch, den Morgen steht wieder
ein Mensch vor Ihrer Tür der Ihre Hilfe brauch.
Ich werde oft an Sie denken, weil durch Ihre nicht immer
leichte Arbeit Sie vielen Menschen wieder einen Sinn am
Leben schenken!!”

Gruß [Mandant]”

alleswirdgut

Schwachstellenanalyse by Schuldner

7. Januar 2011

 Aus den sonst im großen und ganzen für den Termin ordentlich vorbereiteten Unterlagen entnehme ich folgende Passage:

“Seit Jahren kein Kontokorrent auf dem Geschäftskonto um die laufenden monatlichen Kosten vorfinanzieren.
Dadurch werden Steuern u. Krankenkassenbeiträge nicht pünktlich abgeführt. (Säumniszuschläge)!! Unnötige Kosten!!”

Daß das Zahlen von Säumniszuschlägen ein teures Hobby ist, gehört zu meinem (zu verzeihenden) Standardsprüchen in der Erstberatung. Kommt ungefähr gleich nach Zahlungen an den GVZ oder Tafelsilber verschleudern weitere Sicherheiten auf Wunsch der jeweiligen Bank nachzulegen.

Und die Erkenntnis, daß dies “unnötige Kosten” sind, ist ja schon mal prima.

Aber die Verbindung zu einem Kontokorrent auf dem Geschäftskonto und der nicht pünktlichen Zahlung von Steuern und Krankenkassenbeiträgen erschließt sich mir nun mal beim besten Willen nicht. Dazu fällt mir eigentlich nur ein: Gewinn = Erträge – Aufwendungen. Für sowas einen Kredit aufzunehmen, kann ich nicht verstehen.  *achselzuck&seufz*

Der Jahresüberschuss in 2008 beläuft sich übrigens auf ~ EUR 65.000,00. Vorauszahlungen? Fehlanzeige. Jahresabschluss 2009? Fehlanzeige. Aber das ein anderes Thema …

Im ersten Schritt erstmal einen neuen Rechtsträger, danach kümmer ich mich mal um die alten Schulden.

Kann man das mit 64?

4. Januar 2011

Am 29.12.2010 ein Anruf: Bitte um Erstberatung.

Wieder mal ein Fall mit Steuerspirale. Und der beauftragte Steuerberater hat zugeschaut. Über 10 Jahre lang. Der Jahresabschluss 2007 wurde abgegeben. Nachzahlung ~ EUR 5.000,00. Die Jahresabschlüsse 2008, 2009 und 2010 stehen aus. Nach überschlägiger Einschätzung und Addition der weiteren Verbindlichkeiten werden am Ende insgesamt ca. EUR 50.000,00 an Verbindlichkeiten hängen bleiben, die aus den Einnahmen in der Zukunft keinesfalls gedeckt werden können. Da sich mein Mandant auch noch einigermaßen unangenehme Gläubiger (u. a. Finanzamt, Stadt mit Gewerbesteuer) “herausgesucht” hat, ist hier dringend was zu tun.

Ich rate zum Regelinsolvenzverfahren. Selbst wenn man die runden EUR 6.000,00 für die  Kosten für die Erstellung der 3 Jahresabschlüsse investiert, werden am Ende Einkommensteuerbescheide und Gewerbesteuerbescheide herauskommen, die Forderungen ausweisen, die trotzdem nicht bezahlt werden können. Selbstverständlich befreit das Insolvenzverfahren nicht von der Steuererklärungspflicht. Aber es ändert die Drucksituation in der Vollstreckung, insbesondere hinsichtlich den beliebten Druckmitteln “Gewerbeuntersagungsverfügung” und “Fremdantrag“.

“Und das kann man auch noch mit 64?” fragt er ganz ungläubig. “Ja klar.” anworte ich bestimmt. Bisher habe ich in der Insolvenzordnung und der entsprechenden Kommentierung keine Altersbeschränkung gefunden. :-)

Am Ende des Erstberatungsgespräches sagt er ganz erleichtert und gleichzeitig erschüttert: “Wissen Sie, da hat man sein ganzes Leben lang geschafft, und am Ende muß man sich noch mit sowas rumschlagen.”  Ich packe die Kleenexbox wieder weg und antworte: “Wissen Sie, gerade für Sie ist es wichtig, daß Sie jetzt was tun. Wenn Sie in Rente gehen, reichen die EUR 700,00 für gar nichts mehr. Und wenn Sie dann noch weiter schaffen, dann sollte das Geld doch wenigstens für Sie da sein und nicht nur für Ihre Gläubiger.” Und ich füge mit einem Augenzwinkern hinzu: “Nach der aktuellen Sterbetafel haben Sie noch ca. 20 Jahre.”

Er lächelt: “Da haben Sie recht.” Seine Frau zupft ihm am Ärmel: “Wird schon wieder.”

umgezogen

3. Januar 2011

Wir sind umgezogen. Aber nur über den Gang bei Regus. ;-)

Aus unserem  kleinen Minibüro 573 in das 2,5mal so große 576. Das hat mehrere Vorteile:

Zum einen wird im Post-Quartier ja grad extrem gebaut. 573 liegt mit dem Fenster direkt zu Baustelle. Sehr nervig. Staub, Lärm und weil das Zimmer mit seinen gefühlten geschätzten 3 qm doch sehr klein war, war nach ca. 10 min der Sauerstoff alle. Für Besprechungen war es daher in jedem Fall zwingend notwendig, ein separates Tagesbüro zu bestellen.

Nun sind wir “Hofseite”, viel mehr Platz, ruhig. Und der Preis stimmt auch.  Ich habe sehr hart verhandelt mit der Centermanagerin. Das hab ich von Ulrich gelernt: “Man kann jeden EURO nur einmal ausgeben.”

Ich freu mich. :-)

Weckdienst

13. Oktober 2010

“Hallo, guten Morgen Frau Tiel, Sie haben einen Termin heute um 10 Uhr bei uns im Büro. Jetzt ist es schon 10.15 Uhr. Ich wollte fragen: Kommen Sie noch?”

Jonas Petrich - mein neuer Mitarbeiter - kümmert sich schon gut um seine zukünftigen Mandate.

Er hat mir später berichtet, daß Frau Tiel von ihm geweckt worden ist und den Termin versäumt hat. Frau Tiel  ist selbständig als Reinigungsunternehmerin. Nachdem ein großer Auftrag letztes Jahr weggebrochen ist, hat sie alle Angestellten entlassen müssen.

Nun ist sie nur noch alleine tätig für einen Auftraggeber - ich behaupte mal: scheinselbständig.

Der Autokredit  drückt mit 20.000,00 EUR Restforderung, das Finanzamt will auch noch 3.000,00 EUR und die diversen Kleingläubiger geben auch keine Ruhe mehr - EUR 10.000,00.

Mit ihrem  derzeitigen durchschnittlichen Einkommen von EUR 1.200 brutto wird das kaum zu schaffen sein.

In den nächsten Tagen hat sie einen Ersatztermin vereinbart. Ich bin mal gespannt, wie wichtig ihr die Sache ist und ob sie diesen Termin wahrnehmen wird.

mein erstes IN :)

27. Juli 2010

Heute kam mein erstes eigenes IN-Verfahren.

:)))

Nachtrag vom 27.09.2010: Eigentlich würde das ja ins Insoblog gehören. Mal schauen, ob die Schuhe passen - aber erstmal noch drüber nachdenken :-)

schuldenfrei ab 8.38 Uhr - nach 13 Monaten

18. Juli 2010

Das Insolvenzverfahren vom Mandanten Blum wurde mit unserer Hilfe und Vorbereitung im Mai 2009 eröffnet. Jung, unerfahren als Unternehmer, falsche Prioritäten und Entscheidungen, Ergebnis: EUR 140.000,00 Schulden.

Der Termin war auf 08.00 Uhr morgens angesetzt beim zuständigen Amtsgericht. Anwesend natürlich der zuständige Rechtspfleger, der Insolvenzverwalter vom Mandanten. Mein Mandant war mit Lebensgefährtin erschienen - nach einer schlaflosen Nacht.

Und noch erschienen: Der zuständige Vertreter des Sachbearbeiters vom Finanzamt. Bedauerlicherweise völlig unerfahren in Insolvenzangelegenheiten. Au backe.

weiter…

endlich

18. Juli 2010

Nach 3 Jahren, 9 Monaten und einigen Wochen und Tagen ist endlich ein Projekt von mir umgesetzt geworden, was mir wirklich sehr wichtig ist:

Wir haben endlich eine Außenbeschilderung am Bergwerk!

So

Bergwerk Aussenbeschilderung

toll sieht es jetzt aus :-)

Und, oh Wunder! Es war nicht mal eine Baugenehmigung notwendig.

Auf der Hauptstrassen-Seite ist auch ein Schild angebracht. Dieses Projekt ist immer irgendwie hintenrunter gefallen ob dem Tagesgeschäft. Gut, daß ich, wenn ich etwas unbedingt will, daß meistens erfolgreich zeitnah durchdrücke. Und das wollte ich  jetzt wirklich unbedingt.

Ulrich könnte ich jetzt mit einem Augenzwinkern fragen: “Sind wir jetzt eine richtige Firma?” :-)

frisch eingetroffen am 01.07.2010: Das P-Konto

13. Juli 2010

Seit 01.07.2010 können bestehende Konten in ein sogenanntes P-Konto umgewandelt werden. Dieses Konto bietet einen gewissen Schutz bei einer eingehenden Kontopfändung. Man erspart sich den mühsamen Weg zur Erlangung eines Kontenschutz-Beschlusses beim Amtsgericht.

Eine FAQ wird hier bereitgestellt.

Mal schauen, wie groß die Fragezeichen bei den Bankbeamtenangestellten sind, wenn ich die ersten Mandanten mit einer solchen “Bitte” dort hinschicken :-)

Back to the roots oder “Die wunderbare Liaison von Ziegelstein und Butterbrotpapier”

2. Mai 2010

Im Rahmen meiner aktuellen Fortbildungsmaßnahme habe ich verschiedene aktuelle Ziegelsteine erworben. Der Schönfelder ist natürlich _das_ Original. Daneben - völlig unbedeutend - gibt es diese handlichen Dinger auch noch für Steuergesetze, Steuerrichtlinien und Steuererlasse.

Und beim Besuch bei Hosers habe ich mich diesmal tatsächlich dazu entschlossen, die Ergänzungslieferung zu abonnieren. Am Samstag kam dann auch gleich die erste. Ich glaube, die letzte Ergänzungslieferung habe ich irgendwann 1993 oder 1994  in meiner damaligen Ausbildungskanzlei einsortiert. In den Jahren seither habe ich immer komplett neue Ziegelsteine gekauft und mich um das lästige Einsortieren so gedrückt.

Und ich hatte Glück: ich kann es tatsächlich noch und ausserdem bestand die Lieferung lediglich aus dem _komplett_ ausgetauschten EStG. Das sieht man dem Ding natürlich von außen nicht an und ich hatte schon befürchtet, jetzt erstmal 3 Stunden gegen dieses Dünndruckpapier kämpfen zu müssen. Was für ein Glück.

Dann kann ich ja auch gleich viel früher mit dem Lernen anfangen ;-)